- Entfernung
- Burg Grodno etwa 17 km (Zagórze Śląskie, früher Kynau), Hohe Eule etwa 25 km
- Anfahrt von uns
- mit dem Auto über Jedlina-Zdrój (Bad Charlottenbrunn), eine halbe Stunde bis Zagórze; vom Parkplatz noch 10–15 Minuten zu Fuß bergauf
- Dauer
- Burg (Rundgang etwa 1 Std. 10 Min.) und See ein halber Tag; mit der Hohen Eule ein ganzer
- Eignung
- klarer Tag und Wanderschuhe; auf die Eule Kinder ab Schulalter, bei Regen Burg und Akwarium am See
- Mit Hund
- auf der Burg nur der untere Hof; auf der Hohen Eule an der Leine und mit Maulkorb, auf den Turm dürfen keine Tiere
Raubritter, die Logaus und ein Blitz: sieben Jahrhunderte auf der Choina
Grodno steht auf dem Gipfel der Choina (450 m) über dem Durchbruchstal der Bystrzyca (Weistritz). Der Bergname ist ein altes polnisches Wort für Nadelbaum, und auch der alte deutsche Name der Burg, Kynsburg, spielt auf den Nadelwald an. Den Bau schreibt man Bolko I. dem Strengen zu, die älteste erhaltene Urkunde stammt von 1315, und im 15. Jahrhundert wurde die Burg zum Raubritternest — von 1443 bis 1450 saß hier Georg Mühlheim, genannt Puschke. Im 16. Jahrhundert gehörte sie eine Zeit lang den Hochbergs von Schloss Książ (Fürstenstein); Matthias von Logau und sein Sohn Georg bauten sie zur Renaissance-Residenz aus: der untere Hof mit fünf Basteien, das Tor mit Sgraffito, ein Backhaus und eine Badestube. Die Kosten wuchsen ihnen über den Kopf — Ende des 16. Jahrhunderts musste Georgs verschuldete Witwe die Burg mit ihren Kindern für immer verlassen. Im Dreißigjährigen Krieg eroberten die Schweden Grodno und zerstörten es teilweise, 1689 brannte nach einem Blitzschlag der Turm aus, und ab 1774 wohnten hier nur noch Bedienstete.
Eine Ruine unter dem Hammer: wer Grodno rettete
1789 stürzte ein Teil der Mauern ein, und 1823 ersteigerten Bauern aus der Umgebung die Ruine, um sie abzutragen. Aufgehalten hat sie der Breslauer Professor Johann Gustav Büsching: Nach seinen Protesten sprach ihm ein Gericht die Burg auf Lebenszeit zur Nutzung zu, und ab 1824 wurden die Mauern gesichert — nicht immer historisch getreu. Baron Maximilian von Zedlitz richtete hier zwischen 1860 und 1907 eine Gaststätte und ein Museum ein, und Kynau, das heutige Zagórze Śląskie, wurde zur Sommerfrische, die nach dem Bau von Bahn und Talsperre erst recht in Mode kam. Paul Keller baute die Burg unter dem Namen Waldhof in seinen Roman „Waldwinter“ ein, und 1936 wurde hier ein Teil der Verfilmung gedreht. Die Familie von Zedlitz besaß die Burg bis 1945; 1965 eröffnete die Ortsgruppe Wałbrzych des polnischen Wandervereins PTTK darin ein Museum, und Archäologen graben hier bis heute — einer der spannendsten Funde der letzten Jahre ist eine Bulle des Gegenpapstes Benedikt XIII.
Sagen und Gerüchte
Die Sage der Burg Grodno: das Skelett in Margarethes Verlies
Der Sage nach liebte Margarethe, die Tochter des Burgvogts, einen armen Knappen, doch der Vater hatte ihr einen reichen, älteren Bewerber ausgesucht. In der einen Fassung stößt sie den ungeliebten Freier in den Abgrund, in der anderen beim Morgenspaziergang den ihr aufgezwungenen alten Ehemann von der Mauer. Der Vater, so heißt es, sah alles vom Fenster aus und ließ die Tochter in ein Verlies einmauern, wo sie verhungerte. Man erzählt sich auch, im 20. Jahrhundert sei an dieser Stelle ein Frauenskelett gefunden worden. Belegt ist davon nichts, und die Fassungen widersprechen sich, doch das Verlies der Prinzessin Margarethe gehört heute fest zum Rundgang, samt einem an die Wand geketteten Skelett. Der Burgdirektor versicherte der Presse einmal, Gespenster gebe es hier nicht — die Gästeführer erzählen die Geschichte trotzdem jeder Gruppe.
Burg Grodno besichtigen: unter der Woche mit Führung, am Wochenende auf eigene Faust
Mit dem Auto kommen Sie nicht bis zur Burg, denn die Choina ist Naturschutzgebiet. Lassen Sie das Auto auf einem der kostenlosen Parkplätze unten am Berg stehen (der am Akwarium ist gebührenpflichtig) und rechnen Sie mit 10–15 Minuten Fußweg auf einem unbefestigten Pfad bergauf; nach Regen kann es schlammig sein, mit Kinderwagen wird es mühsam. Montags bis freitags wird die Burg mit Führung besichtigt, die im Eintrittspreis enthalten ist. An Samstagen, Sonn- und Feiertagen gehen Sie allein und können gegen Aufpreis einen Audioguide auf Deutsch, Polnisch, Englisch oder Tschechisch mitnehmen — hilfreich, wenn Sie kein Polnisch sprechen. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde und zehn Minuten; unter anderem sehen Sie die Folterkammer, Margarethes Verlies, den Rittersaal und den Jagdsaal, dazu einen Multimediaraum mit kleinem Kino. Mit Hund kommen Sie nur auf den unteren Hof, der ohne Eintrittskarte zugänglich ist; dort liegt auch die Ritterschenke Karczma Rycerska. Wenn Sie auch zu den Stollen Walim in Rzeczka fahren, nehmen Sie das günstigere Kombiticket.
Bystrzyca-Stausee: ein Dorf auf dem Seegrund und ein Steg über dem Wasser
Tief unterhalb der Burg liegt der Bystrzyca-Stausee. Eine über hundert Jahre alte Talsperre mit einer 44 Meter hohen Steinmauer staut die Bystrzyca hier zu einem mehr als drei Kilometer langen und bis zu 30 Meter tiefen See. Beim Aufstau verschwand das Dorf Schlesiertal (Śląska Dolina) im See; als man 2016 für die Sanierung der Talsperre das Wasser abließ, kamen seine Reste wieder zum Vorschein. Den Spaziergang beginnen Sie am besten am Akwarium, dem Touristenzentrum in der ul. Wodna in Zagórze: Drinnen steht ein großes Süßwasseraquarium — gut für eine Regenstunde mit Kindern —, und von hier führen Wege zum Steg, zur Burg, zur Staumauer und zu den Aussichtspunkten. Der heutige Fußgängersteg, 126,5 Meter lang, wurde am 13. August 2019 eröffnet; er ersetzt die Hängebrücke von 1968, die 2018 abgebaut wurde. In der Sommersaison hat an der ul. Wodna mitunter die Badestelle Kąpielisko Słoneczne geöffnet — ob sie in Betrieb ist, prüfen Sie vor der Fahrt.
Die Hohe Eule und ihr einstiger Bismarckturm
Der höchste Gipfel des Eulengebirges, die Wielka Sowa, misst 1015 Meter und gehört zur Krone der polnischen Berge (Korona Gór Polski). Der Betonturm auf dem Gipfel wurde am 24. Mai 1906 als Bismarckturm eröffnet: Drinnen stand eine Büste des Kanzlers, drei Bleiglasfenster zeigten Szenen aus seinem Leben, und oben leuchtete ein Acetylen-Scheinwerfer. Schon im ersten Jahr stiegen rund 21.000 Menschen hinauf. Von der Plattform des 25 Meter hohen Turms reicht der Blick von der Schneekoppe (Śnieżka) bis zum Glatzer Schneeberg (Śnieżnik) und zum Zobten (Ślęża). In der Saison ist der Turm täglich geöffnet (werktags kürzer), außerhalb der Saison nur an Wochenenden, und bei schlechtem Wetter bleibt er mitunter geschlossen; Kinder unter 16 dürfen nur mit Erwachsenen hinauf, Tiere gar nicht. Mit Kinderwagen nehmen Sie den Weg ab der Przełęcz Walimska: 6,4 km pro Richtung, größtenteils auf breitem Schotterweg (schwieriger wird erst der letzte Kilometer), mit kostenlosem Parkplatz am Ausgangspunkt. Kürzere Aufstiege, Gehzeiten und Parkplätze beschreiben wir auf unserer Seite über Berge und Aussichtstürme unter Wielka Sowa.
Öffnungszeiten, Schließtage und Eintrittspreise der Burg prüfen Sie vor der Fahrt auf zamekgrodno.pl. Saison und Regeln des Turms auf der Hohen Eule nennt wielkasowa.eu, über das günstigere Kombiticket mit Rzeczka informiert sztolnie.pl.