- Entfernung
- etwa 24 km; ul. 3 Maja 26 in Walim (Wüstewaltersdorf), an der Grenze zu Rzeczka
- Anfahrt von uns
- mit dem Auto etwa 35 Minuten über die 381 und 383; Parkplatz an den Stollen kostenlos
- Dauer vor Ort
- eine Stunde Führung plus Wartezeit – rechnen Sie mit anderthalb bis zwei Stunden
- Eignung
- Jugendliche und Erwachsene; 5–7 °C, nass und uneben – Jacke und geschlossene Schuhe
- Mit Hund
- Hunde dürfen nicht in die Stollen (Ausnahme: Blindenführhunde)
Zehn Meter hohe Hallen im Fels
Die Stollen wurden in den Osthang der Ostra getrieben, jeweils rund 45 Meter voneinander entfernt: zusammen etwa 500 Meter Gänge und Hallen mit einem Volumen von rund 14.000 Kubikmetern. Die größten Hallen sind etwa zehn Meter hoch und ebenso breit – an diese Höhe erinnert man sich hinterher. Mit Beton auskleiden konnte man nur noch rund 11 Prozent der Hohlräume, der Rest ist roher Fels mit den Spuren des Vortriebs. Ursprünglich waren die drei Stollen unter Tage miteinander verbunden; nach Einstürzen betritt man den dritten heute getrennt. Die Verbrüche, die Sie sehen, sind also echt und keine Kulisse. An der Route steht eine fast fertiggestellte Wachstube mit einer kleinen Ausstellung zu allen Anlagen von Riese. Die dreizehn Meter große V2-Nachbildung an der Straße und das Modell einer V1 illustrieren die Epoche, sind aber keine Spur einer Produktion: Nichts belegt, dass im Projekt Riese Raketen gebaut wurden.
Projekt Riese: sieben Anlagen, keine sichere Antwort
Unter dem Decknamen Riese begannen 1943 die Arbeiten im Eulengebirge. Zunächst leitete sie die Schlesische Industriegemeinschaft AG mit ihrer Direktion in Jedlina-Zdrój, dem früheren Bad Charlottenbrunn – Sie fahren auf dem Weg zu den Stollen hindurch –, ab April 1944 die Organisation Todt. Rzeczka ist eine von sieben Anlagen, neben Jawornik, Włodarz, Osówka, Soboń, Gontowa und den Stollen unter Schloss Książ (Fürstenstein), das Sie von uns in 20 Minuten zu Fuß erreichen. Fertig wurde keine davon, Dokumente sind kaum erhalten, und wozu das alles dienen sollte, ist bis heute ungeklärt: Meist ist von einem Führerhauptquartier die Rede, seltener von unterirdischen Rüstungsfabriken und Laboren.
Sagen und Gerüchte
Bernsteinzimmer im Projekt Riese? Gerüchte um Schätze hinter den Verbrüchen
In der Gegend erzählt man sich bis heute, die zugänglichen Gänge seien nur ein Bruchteil von Riese; hinter Verbrüchen und zugemauerten Durchgängen lägen noch Raubgut, Gold aus Breslau, ja sogar das Bernsteinzimmer. Gerüchten zufolge soll außerdem eine SS-Einheit bis Mai 1945 in Rzeczka geblieben sein und vor dem Abzug die Eingänge zugemauert oder gesprengt haben. Belegt ist weit weniger: Die Bohrungen, die Schatzsucher 2015 in der Gemeinde Walim niederbrachten, stießen auf Wasser und Schlamm, und die viel beachteten Grabungen nach dem „Goldzug“ an den Gleisen in Wałbrzych brachten ein Jahr später nichts zutage. Was wirklich in diesen Bergen steckt, ist die Arbeit Tausender Häftlinge – und ihr Tod.
Die Menschen, die hier graben mussten
Zuerst wurden hier Zwangsarbeiter eingesetzt, vor allem aus der Sowjetunion und aus Polen, dazu Kriegsgefangene, in der Mehrzahl Italiener und Sowjetsoldaten; ab November 1943 hielt man sie in einem Sammellager in der Leinenfabrik von Walim fest. Ab dem 26. April 1944, als die ersten griechischen Juden aus Auschwitz hier eintrafen, wurden jüdische Häftlinge des KZ Gross-Rosen in die Lager von Riese gebracht, vor allem aus Ungarn und Polen. Zum Arbeitslager Riese gehörten dreizehn Lager und ein Krankenlager, eines davon stand bei Fürstenstein. Rund 13.000 Menschen gingen durch diese Lager, mindestens 4775 starben dort. In einem der Gänge hängen Kopien von 49 Zeichnungen, die Imre Holló, ein jüdischer Zahnarzt aus Ungarn, im Lager Dörnhau anfertigte, dem heutigen Kolce; beschriftet sind sie in fünf Sprachen. Nehmen Sie sich an dieser Stelle Zeit: Die Zeichnungen erzählen mehr über diesen Ort als jede Zahl.
Besichtigung mit Führung: kalt, nass und auf Polnisch
Unter Tage sind es das ganze Jahr über 5 bis 7 °C bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit; im Sommer, wenn Sie aus der Hitze kommen, spüren Sie das stärker als im Winter. Jacke und geschlossene Schuhe mit griffiger Sohle sind Voraussetzung, keine Übervorsicht: Der Boden ist stellenweise nass und uneben, die Gänge sind schmal und niedrig, die Beleuchtung ist spärlich. Feste Einlasszeiten gibt es nicht; bis es losgeht, wartet man bis zu 40 Minuten, bei großem Andrang länger. Tickets kaufen Sie meist vor Ort, denn online werden sie nur an ausgewählten Tagen verkauft. Gruppen über 20 Personen können telefonisch oder per E-Mail reservieren. Geführt wird auf Polnisch; Audioguides auf Deutsch gibt es gegen Gebühr, ebenso auf Englisch, Tschechisch und Französisch. Gedacht ist die Route laut Betreiber für Jugendliche und Erwachsene, wegen der Geschichte, die hier erzählt wird, und wegen ihres Charakters; dazu kommen Dunkelheit, Kälte und Toneffekte, die nicht jedem kleinen Kind gefallen. Mit jüngeren Kindern passt Osówka besser, dort gibt es eine Lernroute eigens für die Kleinsten. Wer mit Kinderwagen kommt oder an Krücken geht, sollte vor der Fahrt bei den Stollen anrufen.
Anfahrt über Jedlina-Zdrój, Olszyniec und Walim
Von uns fahren Sie durch Wałbrzych auf der 381 bis Jedlina-Zdrój, dann auf der 383 über Olszyniec und Jugowice nach Walim – etwa 24 Kilometer, rund 35 Minuten. In Olszyniec (Erlenbusch) und in Walim (Wüstewaltersdorf) standen Lager von Riese; Sie kommen an beiden Stellen vorbei. In Walim, wo die 383 zur Przełęcz Walimska abbiegt, fahren Sie weiter Richtung Rzeczka, der Weg ist ausgeschildert; ins Navi geben Sie „ul. 3 Maja 26, Walim“ ein. Sie erkennen den Ort an der V2-Nachbildung an der Straße, zum Eingang führt eine militärische Bailey-Brücke über die Walimka. Der Parkplatz ist kostenlos. Wer zu Fuß kommen möchte, nimmt in Jugowice den schwarz markierten Szlak Martyrologii; er führt durch Walim bis vor die Stollen und weiter über Osówka und Kolce bis zum Bahnhof Głuszyca Górna.
Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Besuchsregeln finden Sie vor der Fahrt auf der Seite der Stollen Walim, Schließtage und kurzfristige Änderungen auf der Startseite sztolnie.pl, die es auch auf Deutsch gibt – von Oktober bis April sind die Stollen kürzer geöffnet. Die Geschichte der Riese-Lager beschreibt das Museum Gross-Rosen.