UNESCO · 17 km vom Haus

Friedenskirche Schweidnitz – Kościół Pokoju w Świdnicy

Die Friedenskirche (Kościół Pokoju) in Świdnica (Schweidnitz) gilt als größte Fachwerkkirche Europas: 1656/57 in knapp einem Jahr aus Holz, Lehm und Stroh gebaut, vor den Stadtmauern, ohne Turm und ohne Glocken, weil der Kaiser es so verlangte. Von außen ein schlichtes Fachwerkhaus, innen ein barocker Raum mit Emporen, in dem 7.500 Menschen Platz finden. Von uns aus sind es 20 Minuten mit dem Auto; seit 2001 ist sie UNESCO-Welterbe – gemeinsam mit der Friedenskirche in Jawor (Jauer).

Vom Haus
ca. 17 km · 20 Minuten mit dem Auto; ohne Auto mit der Bahn und einmal Umsteigen, rund eine Stunde
Zeitbedarf
die Kirche allein mit der Erläuterung vom Band etwa 40 Minuten, mit dem ganzen Friedensplatz 1–2 Stunden, mit Marktplatz und Kathedrale ein halber Tag; der Eintritt ist ein Beitrag zur Renovierung
Beste Zeit
am besten werktags am Vormittag; an Sonn- und Feiertagen beginnt die Besichtigung erst nach dem Gottesdienst, und am Karfreitag, an Allerheiligen (1. November) und an Heiligabend ist keine Besichtigung möglich
Für wen
Familien (an der Decke gibt es etwas zu suchen), Bach-Freunde und alle an einem Regentag; die Kirche ist für Rollstuhlfahrer zugänglich

Geschichte: eine Kirche, die nicht wie eine Kirche aussehen durfte

Der Westfälische Friede von 1648 beendete den Dreißigjährigen Krieg, und Kaiser Ferdinand III. musste auf Druck des protestantischen Schweden den schlesischen Lutheranern drei Kirchen zugestehen: in Głogów (Glogau), Jawor (Jauer) und Świdnica (Schweidnitz). Seine Auflagen waren hart: außerhalb der Stadtmauern, ohne Turm und Glocken, nur aus Holz, Sand, Stroh und Lehm, binnen eines Jahres – und so, dass der Bau nicht an eine Kirche erinnerte. 1652 erhielten die Schweidnitzer vor den Mauern einen Platz von zweihundert mal zweihundert Schritten und beteten zunächst in einer behelfsmäßigen „Gotteshütte“. Christian Czepko zog los, um an den protestantischen Höfen Europas Geld zu sammeln; seinem Tagebuch zufolge legte er dabei rund 4.000 Kilometer zu Fuß, zu Pferd und per Schiff zurück. Der größte Teil des Holzes stammte aus den Wäldern des Grafen Johann Heinrich von Hochberg auf Książ (Fürstenstein) – zum Dank bekam seine Familie in der Kirche eine Loge, die bis heute unter allen Logen durch ihre Pracht hervorsticht. Es sind dieselben Hochbergs, deren Schloss Sie von uns aus in 20 Minuten zu Fuß durch den Wald erreichen. Die Kirche in Głogów ist nicht erhalten; die in Świdnica und Jawor stehen bis heute, obwohl man – so hält es die Begründung der UNESCO-Eintragung fest – allgemein an ihrer Haltbarkeit gezweifelt hatte. Seit 2017 ist die Schweidnitzer Kirche außerdem polnisches Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii).

Innen: eine Sanduhr für die Predigt und Engel an der Orgel

Zuerst fallen die Emporen auf: Sie ziehen sich über mehrere Geschosse, und auf ihren Brüstungen finden sich 78 Bibelzitate und 47 allegorische Szenen, dazu Wappen des Adels, Bildnisse von Bürgern und die Zunftschilde der Bäcker, Brauer, Fleischer und Tuchmacher. Die Decke wurde um 1696 ausgemalt – mit der Dreifaltigkeit, dem Jüngsten Gericht und dem Himmlischen Jerusalem. Den Kanzelkorb von 1729 tragen der Glaube mit dem Kreuz, die Hoffnung mit dem Anker und die Liebe mit einem Kind, und auf dem Pult steht eine in vier halbe Stunden unterteilte Sanduhr, mit der man die Länge der Predigt maß – rechnen Sie selbst nach, wie lange sie dauern konnte. Die Orgel baute 1909 die Schweidnitzer Firma Schlag & Söhne: 62 Register, fast viertausend Pfeifen, das größte Instrument der Region, 2016 von Grund auf restauriert. Den barocken Prospekt tragen zwei Atlanten; geschmückt ist er mit beweglichen Figuren musizierender Engel und einem Lutherbildnis, hinter dem man bei der Restaurierung einen Taktstock fand. Von der ersten Orgel aus dem 17. Jahrhundert sind nur einige Pfeifen geblieben – und ihr Abbild an der Decke. Die Gemeinde lädt dazu ein, es zwischen den Gemälden zu suchen: eine schöne Aufgabe für Kinder, bevor ihnen langweilig wird.

Sagen und Gerüchte

Friedenskirche ohne Nägel gebaut? Woher die Legende kommt

Man erzählt sich bis heute, die Friedenskirche sei ohne einen einzigen Nagel gebaut worden – der Kaiser habe sogar Nägel verboten. Die Geschichte macht seit Jahren die Runde und stand sogar im „National Geographic Traveler“. Laut der polnischen Zeitung „Super Express“ wird sie einer Frau zugeschrieben, die vor Jahren in der Kirche Aufsicht führte und deren Geschichte nicht unbedingt genau kannte. In den kaiserlichen Auflagen, wie die Gemeinde sie wiedergibt, ist von Holz, Sand, Stroh und Lehm die Rede – von Nägeln kein Wort. Heute stecken Tausende Nägel in der Konstruktion; ob sie von Anfang an darin waren, weiß man – wie die Zeitung einräumt – nicht sicher. Sicher ist dagegen: Die Kirche, an deren Haltbarkeit kaum jemand glaubte, steht seit 1657.

Hinter der Mauer: Linden, Carillon und Kaffee im Haus des Dichters

Die Kirche steht mitten auf einem Platz, den eine kilometerlange Mauer umschließt. Vom Haupttor an der ul. Kościelna führt ein gepflasterter Weg im Schatten alter Linden zu ihr. Dreizehn Bäume auf dem Platz sind Naturdenkmäler; im Frühjahr blühen Magnolien und Rhododendren, im Juli duften Linden und Lavendel. Den Glockenturm durfte man erst 1708 bauen; sein Carillon spielt mehrmals am Tag Melodien evangelischer Kirchenlieder. Im kleinsten Gebäude, dem einstigen Wächterhaus, gibt es heute das Café 7 Niebo („Siebter Himmel“): niederschlesische Lebkuchen, Käse und Sauerteigbrot, im Sommer ein Garten am Brunnen, im Winter Kaminfeuer. Hier wohnte einst Pastor Benjamin Schmolck, der über tausend Kirchenlieder schrieb; einige davon singen Lutheraner bis heute. Absolvent des ehemaligen evangelischen Gymnasiums von 1708 war Carl Gotthard Langhans, der spätere Architekt des Brandenburger Tors. Auf dem alten Friedhof liegen unter anderem die Orgelbauer der Familie Schlag; die letzte Beerdigung fand hier 1957 statt. Fragen Sie am Eingang nach dem Audioguide: Er hat 65 Stationen, auch draußen auf dem Platz, und Sie geben das Gerät ab, bevor Sie den Platz verlassen.

Bach-Festival, Kohl und der Dalai Lama

Am 31. Dezember 1729 wurde Christoph Gottlob Wecker, ein Schüler Johann Sebastian Bachs, Kantor der Kirche. Bach gab ihm ein Empfehlungsschreiben mit und räumte in einem privaten Brief ein, er würde ihm gern mit einer Passionsmusik dienen, habe aber selbst noch keine. In Erinnerung daran veranstaltet Świdnica seit 2000, 250 Jahre nach Bachs Tod, jeden Sommer das Bach-Festival (Festiwal Bachowski), meist im Juli und Anfang August, und die Friedenskirche ist seine wichtigste Bühne. Der hölzerne Innenraum hat einen kurzen Nachhall, deshalb klingen Bachs verschlungene Partituren hier – so schreibt der Begründer des Festivals, Jan Tomasz Adamus – klarer als in großen gemauerten Kirchen. Außerhalb des Festivals nimmt die Gemeinde Anfragen für ein Orgelkonzert ihres Organisten entgegen. Die Kirche, die aus einem Religionskrieg hervorging, ist auch ein Ort der Versöhnung geworden: 1989 beteten hier Tadeusz Mazowiecki und Helmut Kohl auf dem Weg nach Krzyżowa (Kreisau) bei Świdnica, dem einstigen Gut der Familie von Moltke und heute Gedenkort des Kreisauer Kreises, der sich gegen Hitler stellte. 2016 unterzeichneten hier Vertreter von Christen, Juden, Muslimen und Buddhisten gemeinsam mit dem Dalai Lama einen Appell für den Frieden. Die Gemeinde, die nach 1945 von mehr als zehntausend auf rund hundert Gläubige schrumpfte, feiert hier nach wie vor jeden Sonntag Gottesdienst.

Anfahrt von uns, der Rynek und der Rest des Tages

Mit dem Auto sind es rund 17 Kilometer und 20 Minuten. Parken können Sie an der ul. Kościelna, wo das Haupttor des Platzes liegt, oder am pl. św. Małgorzaty; ob und wie viel das kostet, sehen Sie vor Ort. Ohne Auto nehmen Sie die Bahn, zum Beispiel ab dem Bahnhof Wałbrzych Szczawienko mit Umstieg in Jaworzyna Śląska (Königszelt), denn eine direkte Zugverbindung ab Wałbrzych gibt es nicht – zusammen rund eine Stunde. Den Fahrplan finden Sie bei Koleje Dolnośląskie; vom Bahnhof Świdnica Miasto gehen Sie eine Viertelstunde bis zur Kirche. Vom Tor sind es ein paar Minuten zu Fuß bis zum Rynek (Marktplatz). Der Rathausturm stürzte 1967 ein und wurde erst 2012 wieder aufgebaut; im Rathaus ist heute das Kaufmannsmuseum (Muzeum Dawnego Kupiectwa) untergebracht. Nicht weit davon steht die Kathedrale St. Stanislaus und St. Wenzel, deren über hundert Meter hoher Turm der höchste Kirchturm Schlesiens ist. Für den Nachmittag passt am besten die Burg Grodno (Kynsburg), von Świdnica rund 25 Minuten entfernt; zu uns zurück fahren Sie über Jedlina-Zdrój (Bad Charlottenbrunn). Bei Regen reicht Świdnica allein für den Tag: Kirche, Kathedrale und Museum besichtigen Sie im Trockenen. Schloss Książ (Fürstenstein) heben Sie sich für einen anderen Tag auf, denn dorthin gehen Sie von uns aus zu Fuß.

Die Besichtigungszeiten sind saisonal, der Eintrittsbeitrag kann sich ändern – deshalb nennen wir beides hier nicht. Zeiten, Beitrag und Tage ohne Besichtigung veröffentlicht die Gemeinde unter Besichtigung (Zwiedzanie), die Gottesdienstzeiten unter Gottesdienste (Nabożeństwa). Wann das Bach-Festival stattfindet, steht auf dessen Seite.

Übernachten in Wałbrzych: unsere Zimmer bei Schloss Książ