Wałbrzych, 8 km

Stara Kopalnia und das Porzellanmuseum

Wałbrzych, das frühere Waldenburg, ist auf Kohle und Porzellan gebaut. Durch die Grube Julia, in der bis 1996 gefördert wurde, führen ehemalige Bergleute; zwei Kilometer weiter warten in einem klassizistischen Palais über 10.000 Objekte aus Porzellan, viele aus Waldenburger Fabriken. Zusammen ein halber Tag, acht Kilometer von uns — und ein Plan, dem Regen nichts anhaben kann.

Entfernung
etwa 8 km zur Stara Kopalnia (ul. Wysockiego 29), das Porzellanmuseum (ul. 1 Maja 9) 2 km weiter
Anfahrt von uns
rund 13 Minuten mit dem Auto
Dauer
Grube etwa 100 Minuten mit Führung, Museum 45–55 Minuten mit Audioguide
Wann es sich lohnt
an Regentagen; unter Tage mitunter eng und kühl
Im Museum
keine Tiere; das Gebäude ist nicht barrierefrei

Führung mit Bergleuten: Ketten unter der Decke, Fördermaschinen von 1911

In die Hallen und unter Tage kommen Sie nur mit Führung. Die Gruppen starten zur vollen Stunde an der Kasse im Welcome Center, dem früheren Steigerhaus, und sind etwa 100 Minuten unterwegs. Es führen ehemalige Bergleute der Julia — fragen Sie ruhig nach ihren Schichten. Eine Führung auf Deutsch oder Englisch müssen Sie vorab reservieren; ohne Reservierung bleibt der Audioguide, auf Deutsch, Englisch oder Tschechisch. Im Kettenbad zogen die Bergleute ihre Kleidung an Ketten unter die Decke, denn in Spinden, so erklären es die Gästeführer, wurde sie nicht trocken und begann zu faulen. Weiter geht es durch die Lampenstube, die Schmiede mit einer Maschinenausstellung und das Maschinenhaus des Julia-Schachts mit zwei Fördermaschinen, die von 1911 bis zur Schließung der Grube liefen. Meist endet der Rundgang auf dem gläsernen Aussichtsturm, etwa 25 Meter hoch, mit Blick über das ganze Gelände und das Waldenburger Bergland. Den Kaffee danach trinken Sie im Café Sztygarówka, zwischen Fotos der Grube aus der Zeit vor der Sanierung.

Die Strecke unter Tage: weniger tief, als man denkt

Die Untertagestrecke führt einige hundert Meter durch einen früheren Lehrstollen und eine Gesteinsstrecke, vorbei an Maschinen, mit denen Kohle gewonnen und verladen wurde. Ehrlich gesagt: Mit dem Förderkorb in die Tiefe fahren Sie nicht. Der Gang liegt dicht unter der Oberfläche, die eigentlichen Grubenbaue der Julia sind längst verfüllt und geflutet — wer ein Bergwerk wie im Film erwartet, könnte enttäuscht sein. Kühl kann es trotzdem werden: Nehmen Sie eine Jacke mit und tragen Sie geschlossene Schuhe, denn der Boden ist uneben. Mit Kindern klären Sie am besten schon vor der Kasse, ob sie in einen engen, halbdunklen Gang hineinwollen. Für die Jüngeren gibt es auf dem Gelände SOWA, einen Mitmachbereich mit 18 Experimentierstationen (samstags manchmal geschlossen, also vorher nachsehen), und danach können Sie in der Stadt mit der Karte zum Stadtspiel die Wałbrzyskie Gwarki suchen, kleine Bergmannsfiguren aus Keramik. Wer mindestens zehn Jahre alt ist, kann auf Anfrage eine Nachtführung mit ehemaligen Bergleuten mitmachen: etwa zweieinhalb bis drei Stunden, mit Abstieg unter Tage, in Arbeitskleidung, mit Grubenlampe und Selbstretter.

Fuchs, Julia, Thorez — und wieder Julia

In Weißstein, dem heutigen Biały Kamień, grub man schon im 16. Jahrhundert Kohle, und 1770 wurde hier die Grube Fuchs verzeichnet. Nach 1945 wechselte der Name mit der Politik: Julia, dann Biały Kamień, ab 1950 Thorez, nach dem französischen Kommunisten Maurice Thorez, und seit 1993 wieder Julia. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten in fünfzehn Waldenburger Gruben fast 20.000 Menschen; die Gästeführer erzählen, die hiesige Kohle sei schwer abzubauen gewesen, dafür nahezu schwefelfrei und mit hohem Heizwert. Der letzte Förderwagen mit Kohle kam am 20. September 1996 ans Tageslicht. 2004 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, 2014 eröffnete darin ein Zentrum für Wissenschaft und Kunst, heute das Centrum Nauki, Kultury i Sztuki (Zentrum für Wissenschaft, Kultur und Kunst). Am meisten los ist zur Barbórka, dem Barbarafest der Bergleute: Anfang Dezember feiert die Grube die Bergmannstradition mit Konzerten und dem „Sprung übers Leder“ für Kinder, und am 4. Dezember zieht eine Bergmannsparade durch die Stadt.

Der Fuchsstollen und die Sage von der ersten Kohle: Hoheiten im Kahn

Der Ortssage nach wurde die erste Waldenburger Kohle am Hang des Fuchsbergs (Lisie Wzgórze) gefunden. Historiker halten sich lieber an Urkunden: Kohlenabbau in Weißstein ist erstmals 1561 belegt. Wahr ist dafür eine Geschichte, die wie ein Märchen klingt. 1794 wurde unter dem Fuchsberg der Fuchsstollen eröffnet, der erste auf dem europäischen Festland, in dem die Kohle in Kähnen auf metertiefem Wasser transportiert wurde. Von Anfang an fuhren auch Besucher mit: König Friedrich Wilhelm III. mit Königin Luise, Fürstin Izabela Czartoryska, Zarin Alexandra Fjodorowna und im Sommer 1800 John Quincy Adams, damals amerikanischer Gesandter in Berlin, später Präsident der USA, der die Fahrt in einem Brief beschrieb. Mit unserem Dworek verbindet ihn nur der ähnliche Name. Der Stollen wurde 2002 nach einer Überflutung geschlossen; ein Modell steht in der Lampenstube.

Das Alberti-Palais: Porzellan zwischen Möbeln und Bildern

Das Porzellanmuseum hat seinen Sitz im Pałac Albertich, dem Alberti-Palais, an der ul. 1 Maja 9, zwei Kilometer von der Grube. Das klassizistische Haus entstand 1801 bis 1803 für den Kaufmann Sonnabend; entworfen hat es ein Schüler von Carl Gotthard Langhans, dem Baumeister des Brandenburger Tors. 1834 kaufte es die Familie Alberti, Pioniere der mechanischen Spinnerei in der Stadt. Ein Museum gibt es hier seit 1926, seit 2015 als Porzellanmuseum: über 10.000 Objekte aus schlesischem und europäischem Porzellan, viele aus Waldenburger Fabriken. Die Säle sind wie eine bürgerliche Wohnung eingerichtet, Tassen und Vasen stehen zwischen Möbeln und Bildern statt in Vitrinenreihen. Dazu polnische Malerei, unter anderem Duda-Gracz, Nowosielski und Beksiński, polnische Keramik der 1950er und 1960er Jahre und im Garten Büffel, Wölfe, ein Panther und ein Bär aus Steinzeug von Domicela Bożekowska. Führungen gibt es nicht, dafür einen Audioguide, auch auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Ukrainisch. Das Museum lässt jede halbe Stunde Gruppen von höchstens 20 Personen ein — kaufen Sie das Ticket für eine feste Uhrzeit also vorher online. Tiere dürfen nicht hinein; reisen Sie mit Hund, gehen Sie am besten abwechselnd ins Museum.

Ein Strich statt des Zepters: Waldenburger Porzellan und Kurse zum Mitmachen

Kohle und Porzellan sind zwei Hälften derselben Geschichte. 1831 übernahm der Porzellanmaler Carl Krister eine Waldenburger Manufaktur und ahmte die Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin nach: ihren Stil und beinahe auch ihre Marke, nur setzte er statt des Zepters einen senkrechten Strich. Später kamen die Buchstaben KPM dazu, gelesen als „Krister Porzellan-Manufaktur“, und die setzte er vor Gericht durch. 1845 gründete Carl Tielsch nach seinem Vorbild eine Fabrik in Altwasser (Stary Zdrój), die zwanzig Jahre später über 1500 Menschen beschäftigte und 1906 einen 64 Meter langen, mit Kohle befeuerten Tunnelofen bekam. Auch unser Szczawienko (Niedersalzbrunn) hatte seine Fabrik: Von 1882 bis 1930 verschickte das Werk von Hermann Ohme sein Geschirr „Old Ivory“ vor allem in die USA und nach Großbritannien; heute suchen Sammler danach. Das frühere Tielsch-Werk hielt sich als Fabrik „Wałbrzych“ bis 2012, die letzte, „Krzysztof“, früher Krister, stellte Ende 2022 nach 192 Jahren die Produktion ein — wegen der Gaspreise. Ein Teil ihrer Gießformen ist weiter in Gebrauch, im Centrum Ceramiki Unikatowej (Zentrum für Unikatkeramik) auf dem Gelände der Stara Kopalnia. Es gehört zum Porzellanmuseum und bietet Kurse an, in denen Sie die in diesen Formen gegossenen „Kristoff“-Figuren verzieren. Arbeiten von der Töpferscheibe und aus Ton können Sie erst nach drei Wochen abholen; für einen kurzen Aufenthalt ist das Bemalen von Porzellan, Gips oder Glas die bessere Wahl — das nehmen Sie gleich mit. Anmeldung unter +48 74 667 09 21.

Zeiten und Preise ändern sich mit der Saison. Prüfen Sie daher vor der Abfahrt Führungszeiten und Tickets auf der Seite der Stara Kopalnia, die Öffnungszeiten des Porzellanmuseums und die Bedingungen des Kombitickets Explore Wałbrzych.

Übernachten in Wałbrzych: unsere Zimmer bei Schloss Książ